Lungau > Bergsommer > Bauernherbst > Der Schafabtrieb im Göriacher Hüttendorf

Echt Schaf

Jedes Jahr kehren im Herbst die Lungauer Schafe von den Almen heim. Grund genug, dies ausgiebig zu feiern.

Bauernherbst im Lungau! Langsam verabschiedet sich der Sommer mit wunderbaren Farben, klarer Luft und vielen wunderschönen Festen. Ein ganz besonderes Ereignis ist der Schafabtrieb im Göriachtal. Ein Großereignis, bei dem jeder gerne mithilft und das nach getaner Arbeit leicht in ein Volksfest mit reichlich gutem Essen und Musik ausartet.

Als wir uns auf den Weg machen, schickt die Sonne erste Strahlen durch den herbstlichen Frühnebel. Ein Zeichen, dass auch dieser Urlaubstag ein sonniger wird, wie so viele hier im Lungau. Die Landwirte und Schafhalter sind schon vor uns in das idyllische Tal gefahren und suchen mit der aufgehenden Sonne ihre Schafherden am Fuße des Hochgollings. Die Schafe, die den Sommer auf den saftigen Almwiesen verbracht haben, müssen im Herbst aufgespürt, zusammengetrieben, nach Besitzern sortiert und für den Winter in ihre Ställe gebracht werden. Der Schafabtrieb gehört zur uralten Tradition im Göriachtal. Spannung bis zuletzt Ganz im Zeichen des Schafs herrscht derweil im Hüttendorf reges Treiben. Stände werden aufgebaut und dienen dem Verkauf von Produkten rund ums Schaf. Wolle, Gefilztes und Gestricktes werden dort präsentiert. Musik, Unterhaltung, Kunsthandwerk und Köstlichkeiten umrahmen die mühevolle Arbeit, die Schafe zu zählen und zu mustern, damit sie dann von den Almbauern verladen und zu den Höfen gebracht werden können. Bis es aber soweit ist, müssen die Schafe ihren Weg ins Hüttendorf fi nden, der für sie nach den freien Sommermonaten zum ersten Mal wieder mit einem Zaun endet. Lange Zeit hören wir im Nebel nur das Blöken der Widder, Lämmer und Mutterschafe. Die Glocken bimmeln und hier und da ertönt ein Lockruf von den Almbauern. Dem folgen die Schafe gerne, brachte er doch in der Almweidezeit leckeres Salz zu ihnen. Uns fällt auf, dass die Bauern kaum Hunde als Helfer haben. Normalerweise können die Vierbeiner problemlos in das einzigartige Almdorf mitgenommen werden. Heute sollte man nach Möglichkeit Rücksicht auf den Schafabtrieb nehmen und keine Hunde mitbringen.

Das Göriacher Hüttendorf

Gerade für Familien mit Kleinkindern, Kinderwagen sowie für ältere Gäste ist das Hüttendorf leicht erreichbar, denn vom letzten Parkplatz aus sind es nur zehn Gehminuten zum Hüttendorf im hinteren Göriachtal. Zünftige Almjausen mit Lungauer Schmankerl warten dort. Und ein nicht zu verachtendes Panorama. Wer mag, kann auch eine Almhütte anmieten. Von hier führt eine etwa zweistündige Wanderung - entlang an einem Wasserfall und markanten Steilhängen, in denen Murmeltiere heimisch sind - zu der Hütte an den Landawierseen. Aber heute ist der Tag des Hüttendorfes und des Schafabtriebs. Da bleiben wir unten. Die Schafe sind da und werden handverlesen. Allerdings nicht nur für den Transport in das heimatliche Winterquartier. Ein paar Schafe warten in einem separaten Pferch auf eine neue Frisur.

Wollust

Ein Schurprofi zeigt die Kunst des Schafscherens. Wir staunen mit den anderen Zuschauern um die Wette. Zwei Helfer holen einen Schafbock raus, der nun gar nicht mehr so lammfromm ist, und bringen ihn zum Scherer. Anscheinend wendet dieser einen Zaubergriff an, denn der Bock ergibt sich ganz gelassen seinem Schicksal. So schlimm scheint es auch gar nicht zu sein. Mit ruhiger Hand lässt der Schurprofi das Vlies auf den Boden fallen. Zuerst nur wenig, aber je nackter und auch kleiner der Bock wird, desto mehr Kilo Vlies landen auf den Boden. Schnitt man früher das Vlies mit einer scharfen Schere ab, so erfolgt die Schur heute immer noch mit der Hand, aber mithilfe einer elektrischen Schermaschine, die an einen Rasierapparat erinnert. Nach einigen Minuten geht ein nackter Widder, aber deswegen nicht weniger Stolz, zurück ins Gatter. Das zusammenhängende Vlies wird eingesammelt. Netterweise dürfen die Zuschauer sich ein Stück Souvenir einstecken. „Echte Schurwolle“, raunen wir stolz und dankbar.