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Die Tiger im Lungau

Kaltes Blut und dafür warmes Herz, oder wie die Tiger in den Lungau kamen!

Zuerst sollte ich mal verraten, dass im Lungau niemand nach Tigerstreifen auf vier Pfoten Ausschau halten muss, dafür aber salopp gesagt und der Lungauer Norikerzuchtverein möge es mir verzeihen: nach einem großen weißen Pferd mit vielen kleinen und größeren schwarzen Flecken. Das sind die sogenannten Tiger, für deren Zucht der Lungau bekannt ist. Von der Deckstation Mariapfarr ging die Noriker Tigerzucht aus. Der Schwarzfl eck-Tiger „Achat-Elmar“ übte einen großen Einfl uss auf die Lungauer Zuchtregion aus. Er begründete die „Elmar-Linie“ der Lungauer Tigerzucht, die heute weit über die Grenzen des Lungaues hinaus bekannt ist.

Pferdeland Lungau

Die Vierbeiner sind aber nicht der einzige Grund, weswegen der Lungau bei Pferdefreunden und Reitbegeisterten so beliebt und bekannt ist. Das gut verzweigte, über 100 Kilometer lange Lungauer Reitwegenetz erfreut Pferd wie Reiter gleichermaßen.

Typische Eigenschaften wie Vielseitigkeit, Arbeitseinsatz, Ausdauer, Kraft, Nervenstärke, Sportlichkeit und Genügsamkeit zeichnen die Lungauer Noriker aus.

Die typischen Lungauer Pferdearten sind Noriker und Haflinger. Bekannt sind die Noriker als Arbeitspferd geworden. Ihre Gesundheit, Gutmütigkeit und ihr ausgeglichenes Temperament machten sie so begehrt. Und obwohl sie fast überall vom Traktor abgelöst wurden, sind sie nach wie vor als Freizeitpferd fürs Reiten und Fahren beliebt und ein wesentlicher Teil des bäuerlichen Brauchtums. Im Lungau gibt es viele Ställe, wo Noriker zuhause sind. In Tweng bei Obertauern betreibt die Familie Klary sogar einen Norikerzuchtbetrieb. Alle zehn Jahre findet im Herbst die Vereinsschau des Norikerzuchtvereins statt. Dort gibt es neben den klassischen Farben Braune, Rappen und Füchse auch Tiger, Schecken und Mohrenköpfe zu sehen. Und ebenfalls im frühen Herbst, meist Ende August findet in Mauterndorf der berühmte Rösslmarkt statt.

Mohrenköpfe, Tiger, Schecken

Die Mohrenkopf- und Tiger-Farbe in der Norikerzucht ist auf die Salzburger Erzbischöfe zurückzuführen. Und das kommt so: Das Land Salzburg war bis zur Säkularisierung im Jahre 1803 ein eigener Staat und wurde jeweils vom amtierenden Erzbischof regiert. Durch den Salzhandel war Salzburg ein sehr vermögendes Land und man konnte sich vieles leisten, was gerade in und modern war. Im 18. Jahrhundert herrschten fast rund um das kleine Erzbistum Salzburg die Habsburger, die bei offi ziellen Anlässen Schimmel und Rappen aus dem Hofgestüt Kladrub anspannten. Hiervon wollten sich die Salzburger Landesherren klar abgrenzen und die Selbstständigkeit repräsentieren. Die Päpste verwendeten zu dieser Zeit für die Galaanspannung Neapolitaner der Farbe „testa di moro“, auf Deutsch: Kopf des Mohren bzw. Mohrenkopf. So holten die Salzburger Landesfürsten Stalonen (Hengste) dieserFarbe in die eigenen Gestüte und züchteten die eigenen Galapferde in dieser damalig seltenen Farbe. Im Buch „Theatrum Equorum Salisburgensium“ findet man das Gestütsbuch der Salzburger Erzbischöfe aus dem Jahre 1761. Hier sind alle zehn Hofbeschäler, darunter auch Mohrenköpfe und Tiger, mit allen 160 Zuchtstuten mit den Fohlen genau beschrieben. Diese „Sonder“-Farben haben sich bis heute in den Norikern erhalten.

Lungauer Bezirkspferdeschau

Im Sommer 2009 war „das Jubiläum 110 Jahre organisierte Norikerzucht“ das Motto der Lungauer Noriker Bezirkspferdeschau, die leider nur alle zehn Jahre stattfindet. Über 100 Lungauer Noriker zeigten sich in den unterschiedlichsten Kategorien von ihrer besten Seite. Es war eindeutig zu sehen, wie in den letzten Jahren neben der Arbeitsleistung in Spezialbereichen, wie zum Beispiel der schonenden Holzrückung, besonders die Freizeit- und Sporteignung des Norikers genutzt und weiterentwickelt wurde. Zur Miss Lungau, Verzeihung: zur Siegerin der Lungauer Noriker Bezirksschau wurde übrigens die 10-jährige Lora von Franz Greinmeister aus Tamsweg gekürt.

Wie alles begann

Das Ganze begann im Jahre 1897, als im damaligen Herzogtum Salzburg eine Anordnung zur Pferdezucht-Gründung erfolgte. Im Lungau entstand zuerst der Pferdezuchtverein „9–Unternberg“. Die Deckstationen Unternberg, Unterweißburg und Mariapfarr waren 1908 bereits mit 10 erstklassigen Staatshengsten besetzt. 1923 erfolgte die Aufteilung des Lungauer Zuchtgebietes auf zwei Vereine: Neben dem bestehenden Verein „9-Unternberg“ wurde der Verein „13-Mariapfarr“ gegründet. Nach einer sehr mitgliedsreichen Hochzeit samt vieler Zuchtstuten und Hengste, machte sich die Motorisierung im gesamtem Zuchtgebiet Lungau und nicht nur dort bemerkbar. Ein Ausschussmitglied, Vitus Mauser, vom Verein „9–Unternberg“ schlug damals vor, zum Schutze der Pferdefuhrwerker eine zusätzliche Steuer für LKW bei der Landesregierung zu beantragen. Die ab 1973 eingeführte Fohlenversteigerung auf dem Rösslmarkt Mauterndorf wirkte sich zwar günstig auf die Preisentwicklung aus, dennoch mussten die Hengststationen Unterweißburg und Unternberg stillgelegt werden. Und letztendlich führte die Rezession 1978 zur Schließung der mittlerweile neu erbauten Mariapfarrer Deckstation. Heute wird nur noch die Deckstation in der Tamsweger Landwirtschaftsschule betrieben. Zudem wurden 2002 auch die zwei Vereine zum Verein „9-Lungau“ zusammengelegt, der sich über einen kontinuierlichen Anstieg der Zuchtstutenanzahl freut. Derzeit stehen im Lungau rund 80 aktiv eingesetzte Noriker-Zuchtstuten. In den vergangenen Jahren wurden gemeinsam mit den Lungauer Reitergruppen drei Zugleistungsprüfungen ausgerichtet und 2007 sogar zusätzlich eine Reiteignungsprüfung für Norikerpferde mit Fremdreitertest durchgeführt. Neben Vorführ- und Pferdebeurteilungskursen werden auch Reit- und Gespannfahrkurse für die Vereinsmitglieder angeboten.