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Lungau > Der Lungau > Brauchtums Kalendarium > Das traditonelle Preberseeschießen ist weltweit einzigartig weil man auf das Spiegelbild im Wasser schiessen muss.

Das Prebersee Wasserscheibenschießen

Alte Schützen
Alte Schützen

Aufstehen! Raus aus den Federn!“, hallt es in mein Ohr. „Stimmt ja“ fällt es mir ein, „heute wollen wir zum berühmten Preberseeschießen gehen, viel mehr wandern“. Das Naturschutzgebiet Preber zieht das ganze Jahr über Naturliebhaber an. Am letzten Wochenende im August allerdings, ist der Prebersee Treffpunkt für Schützen aus aller Welt. Der Moorsee hat nicht nur eine wohltuende Wirkung und ist ein beliebter Bade- und Fischsee, er ist auch der Austragungsort des wohl weltweit einmaligen Prebeseeschießens. Und genau dahin wollen wir heute, um zu sehen, warum dieses Ereignis so berühmt ist. Vom gemütlichen Quartier auf dem Bauernhof geht es einfach die kleine sich schlängelnde Straße entlang. Und dann sehen wir ihn auch. Zuerst den 2740 Meter hohen Preber, der sich im See spiegelt. „Spiegelbild“ ist übrigens ein wichtiges Stichwort. Aber dazu später.

Die Scheibe oder das erste dokumentierte Preberseeschießen

Noch haben die Schützen nicht angefangen. Wir machen uns auf zur Lehrpfadtafel „Preberseeschießen“. Rund um den See ist nämlich ein Lehrpfad über Moor, Almen, Tier- und Pflanzenwelt angelegt. Und studieren sie emsig, als sich eine ältere Frau in Tracht zu uns gesellt. „Wissen Sie“, sagt sie im tiefsten Lungauerisch, „Angefangen hat das ganze Spektakel bei der Entenjagd. Irgendwelche Jäger haben auf ihr Opfer gezielt, aber stattdessen das Wasser getroffen. Der Effekt, der abgellenden Kugel hat sie neugierig gemacht und letztendlich das Preberseeschießen ins Leben gerufen.“ „Die armen Enten“, entfuhr es meiner Tochter. „Nein, heute wird nicht auf Enten geschossen. Keine Angst. Die Schützen müssen die jeweils sechs Wasser- und Standscheiben dort treffen“, beruhigt die Frau. Die erste bekannte Preberseescheibe stammt aus dem Jahre 1834 und kann im Heimatmuseum Tamsweg bewundert werden. Sie dokumentiert den Begin des Wettbewerbes wie die teilnehmenden Schützen, die sogar namentlich in den seitlichen Lorbeeren aufgezählt werden. Genauso wie die Jury und Helfer.

Die Inschrift lautet:

Zum Andenken an das merkwürdige Wasser Scheiben Schüssen welches Herr Franz Anton Winkler, bürgerl. Handelsmann in Tamsweg, den 4. November 1834 wegen der seltenen schönen Jahreszeit gegeben hat in Prebersee.

Ins Schwarze

Die Schützen stehen ungefähr in 120 Meter Entfernung zu den Zielscheiben. So simpel das klingt, es ist ein schwieriges und mit Glück behaftetes Unterfangen ins Schwarze zu treffen. Das Zentrum der Scheibe befindet sich 90 Zentimeter über dem Wasserspiegel. Mit einem Tiefschuss aus 1,5 Meter versuchen bis zu 150 Schützen ihr Glück. Denn die Schützen schießen nicht direkt auf die Scheibe, sondern lassen die Kugel im Wasser abprallen, damit sie trifft. Dabei müssen sie die willkürliche Bewegung des Wassers berücksichtigen. Dazu suchen sie sich einen Zielpunkt in einem gewissen Abstand von der Originalscheibe oder der Uferlinie. Ein typischer Schießfehler unterläuft den Schützen leicht, durch das Umkehren des Zieles im Spiegelbild. Bei ruhigem Wetter stehen die Chancen für viele exakte Treffer gut. Es werden nur die „Blättchen“ (Treffer) gewertet und so haben auch Ungeübte oft das Glück unter den Preisträgern zu sein.

Der Geller oder der Querschläger

Wie soll das denn funktionieren?, frag ich mich verdutzt. Das Wasser reflektiert das Geschoss, das eine etwa 3 cm tiefe Mulde ins Wasser drückt und mit etwas Glück und Geschick prallt der Geller oder Querschläger an die am Seeufer aufgestellte Scheibe, erklärt die nette Frau geduldig. Dann kann man doch überall so schießen und das ist gar nichts Besonders, mault meine Tochter. Falsch, mein liebes Kind. Du weißt doch, dass dies hier ein Moorsee ist. Das verrät schon die braune Farbe und die Pflanzenwelt drum herum. Das hohe physikalische Gewicht des Moorsees spielt eine wichtige Rolle, höre ich mich sagen.

Der Zieler

Weißt du, was ein Zieler ist?, fragt die Dame weiter. Im Gegensatz zu heute ist das Werten der Treffer früher richtig spannend und unterhaltend gewesen. Denn war der Schuss erst einmal abgefeuert, dann wurde ein sogenannter Zieler verständigt, der dann meist kostümiert aus seiner Deckung sprang und den Einschlag auf der Scheibe suchte. War nichts zu finden, dann zeigte der Zieler begleitet von lustigen Gebärden mit einem Zielerlöffel den Fehlschuss an. Bei einem Treffer wurde die Entfernung zum Zentrum vermessen. Je nach dem, wie oft der Zielerlöffel dazwischen passte, machte der Zieler dann die gleiche Zahl Purzelbäume oder Luftsprünge. Lag der Schuss genau im Zentrum, ritt der Zieler auf einem Steckenpferd um die Scheibe herum, was oftmals mit einem Sprung in den See endete, erzählte die Lungauerin.  In den See möchte ich jetzt auch gerne springen, lechzt meine Tochter. Die Sonne steht hoch oben und strahlt vom blauen Himmel hinab, als ob der Lungau ihr Untertan ist.

Auch bekannt in Amerika

Im Jahr 1958 gab es sogar in einem amerikanischen Waffenmagazin einen ausführlichen Bericht über das "verrückteste Wettschießen der Welt" - im Tiroler Schwarzwald, Lungau (siehe die ersten Zeilen des Berichts). Hier haben wir die Seiten mit dem Bericht über das Preberschießen für Sie zusammngestellt.