Die Murtalbahn

Einsteigen, Türen schließen, Vorsicht bei der Abfahrt!“, so tönt es wie in guten alten Zeiten auf dem Tamweger Bahnhof passend zum Schnaufen unserer Lokomotive. Wir gönnen uns eine Fahrt nach Murau in die Steiermark. „Nehmt unbedingt euren Fotoapparat mit“, hat uns unserer Gastgeberin noch erinnert. „Und vergesst nicht einen Park & Ride Platz zu erwischen. Das ist manchmal schwierig, denn der Tamsweger Bahnhof liegt gegenüber vom Lungauer Krankenhaus“, werden wir noch ermahnt. Alles kein Problem. Jetzt lassen wir die modernen PS hinter uns und fahren wie zu Kaisers Zeiten. Die Schmalspurbahn wurde 1894 eröffnet und fuhr ursprünglich von Unzmarkt über Murau bis nach Mauterndorf. 
Obwohl die Murtalbahn im Regelbetrieb moderne Triebwagen im Einsatz hat, sind die Oldtimerfahrten mit den schnaubenden Dampfloks ein beliebter Geheimtipp für Eisenbahnfreunde und Romantiker. Die uralten Waggons mit kaiserlichem Flair sind gemütlich und ruckeln fast zärtlich über die Schienen. Wir sind schnell im Rhythmus und genießen die malerische Kulisse. Die Strecke führt entlang der Mur, die im Lungau auf 1898 Meter Höhe entspringt. Bekannt ist der Fluss übrigens auch wegen drei, der inzwischen selten gewordenen Schiffsmühlen, die sich auf ihm befinden. Leider liegt die erste zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg. Soweit dampfen wir heute nicht.

Wie Kaiser Franz Joseph und seine Sissi 

Die ersten 15 Kilometer geht es noch durch den Lungau. Dann und wann sehen wir Radfahrer, die sich auf dem Sagenradweg nach Ramingstein strampeln oder Kanuten und Kajaker in den Fluten. Als wir ein Raftingboot entdecken, sind die Kinder nicht mehr zu halten und planen lautstark das nächste Ausflugsprogramm. Ich fachsimpel derweil mit dem Zugführer und bringe in Erfahrung, dass von den fünf Dampfloks derzeit drei betriebsbereit sind. Neben der U40 als Heißdampflok, die uns gerade zieht, stehen noch eine Nassdampflok, die U11 und die Bh1 Heißdampflok zur Verfügung. Ich bin begeistert. Als wir die Landesgrenze zur Steiermark passieren, habe ich bereits beschlossen mir ganz ohne Familie eine Amateurlokfahrt zu gönnen.

Wie ein echter Lokführer

Seit 1969 erfüllt die Steirische Landesbahn nämlich diesen Männertraum, einmal Regler, Ventile und Lokpfeife selber zu bedienen. Natürlich immer unter Anweisung eines erfahrenen Lokmotivführers. „Hoffentlich reichen meine Vorkenntnisse als passionierter Modeleisenbahner“, schießt es mir durch den Kopf. Das Schauspiel, was uns die Mur bietet, die Wälder und Auen sind sehr fotogen. Wir schauen rechts und links aus dem Fenster. Und lauschen der steirischen Volksmusik, die unsere Bummelzugfahrt begleitet. Als die Kinder Hunger bekommen, pirschen wir uns zum Buffetwagen vor. Im ursprünglichen Salonwagen des Kaisers Franz Josephs leuchtet uns die rot lackierte Murtalbar beziehungsweise die grün gestrichene Steirerbar schon entgegen.

Endstation Murau

In Murau steigen wir dann aus und bummeln zu Fuß durch das liebliche Städtchen. Ein schmuckes Schloss, schöne Kirchen, gut erhaltende Stadttore und Mauern entsprechen genau der Stimmung unserer Nostalgie-
Zugfahrt.