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Edelbrände aus dem Lungau

Schnaps, das war sein letztes Wort, dann flog er zu den Englein fort“, schießt es mir durch den Kopf, als wir die knarrende Holztreppe der Edelschnapsbrennerei Moser in Zederhaus hinaufstapfen.

Obst in der Flasche 

Eine anschauliche Erklärung wie der hochprozentige Geist überhaupt in die Falsche kommt, liegt hinter mir. Erstaunt stand ich vor einem mannshohen grünen Rieseneimer in dem fast 1000 Kilo Schlehen die nach altem Rezept für ein paar Wochen vor sich hingärten, bis sie zu einer tauglichen Maische wurden. Ich durfte dem Hias beim Anheizen des Brennofens behilflich sein, während seine Frau Gaby die noch leeren Glasflaschen herrichtete. Als das Feuer die korrekte Temperatur hatte, schaufelte ihr Mann die ersten Eimer Maische in den Kessel. Dort beginnt der Destillationsprozeß. Schonend wird die Maische erhitzt und ständig gerührt. Bei etwa 80° C steigt der erste Alkoholdampf auf. Das ist der sogenannte Vorlauf, der sich ganz klar mit einem stechenden Geruch verrät. Der Vorlauf landet bei Mosers garantiert nicht in der Schnapsflasche, sondern wird sauber abgetrennt. Und dann kommt der Stoff aus dem die köstlichen und exquisiten Tropfen entstehen. Nüchtern auch Mittellauf genannt. Auch hier heißt es gut beobachten und die fast 20 Jahre Schnapsbrennerfahrung immer wieder einfließen lassen, damit nicht verpasst wird, wann der sogenannte Nachlauf anfängt. Der sorgt nämlich, wenn er nicht ordentlich abgetrennt ist, als Fusel für jede Menge Kopfschmerzen.


Neben auserlesenen Obstsorten und Lungauer Quellwasser schwört das erfolgreiche Ehepaar - immerhin haben ihre Brände schon mehrere internationale Preise gewonnen - auf gute Qualität beim Brennen. Nichts kann einen edlen Tropfen so ruinieren als falscher Ehrgeiz der zu unsauberem Abtrennen führt.

Die Wahrheit des Destillats

Jetzt sitzen wir in der gemütlichen und mit vielen Jagdtrophäen geschmückten Schnapsstube und kosten die sogenannte Wahrheit des Destillats. Aus ungefähr 30 Sorten habe ich mir Quitte, Enzian, Eachtling, Schlehen und Pfirsich Schnaps zum Probieren ausgesucht. Natürlich der Reihe nach und ganz gemütlich. Schließlich ist es ja ein Wohlfühlerlebnis und kein Flat Rate-Saufen in der Disco. Zwischendurch reicht das Ehepaar auch noch selbstgemachten Speck und leckeres Brot aus der eigenen Landwirtschaft. Es ist kaum in Worte zu fassen, was passiert, als ich den ersten Schluck nehme. Kaum berührt die Flüssigkeit meinen Mund, verzaubert ein Geschmackserlebnis meine Sinne.

Sensationell sinnlich

So etwas Sinnliches habe ich selten erlebt: die Nase sieht gelbe Pfirsiche, das Ohr fühlt ihre sanfte Haut, die Augen schmecken fruchtige Süße, die Zunge hört Vogelgezwitscher und ich rieche einen Sommertag im Garten meiner Großmutter. Ich wage es kaum zu schreiben, aber die klare hochprozentige Flüssigkeit aus der Flasche mit dem schönen Etikett versetzt mich in einen Wellness-Rausch. Da könnte man glatt süchtig werden.