Newsletter

Wollen Sie aktuelle Informationen, dann melden Sie sich zum Lungau.travel-Newsletter an.

Anmelden

Lungau > Winterurlaub > Winterfun > Internationale Heißluftballontreffen in Mauterndorf

Wo der Berg den Himmel küsst

Bei der Internationalen Heißluftballon-Woche in Mauterndorf treffen sich seit 17 Jahren Piloten aus der ganzen Welt, um mit ihren Gefährten bunte Punkte an den blauen Lungauer Himmel zu zaubern. „Wie kalt wird es wohl im Winter im Ballonkorb sein?“, frage ich mich. „Dort ist es oft wärmer als auf dem Boden. Mit 3500 PS heizt der Brenner über tausend Grad in die Hülle und die Passagiere im Korb bekommen davon etwa zehn Grad ab“, erklärt mir mein Ballonpilot Werner Czychi. Dazu ist es oben windstill, da man ja mit dem Wind fährt. Im Winter reicht eine Flasche doppelt so lange wie in den Sommermonaten. Dazu noch das tolle Flug-Klima der Lungauer Höhenlage - so kann man lang und weit über den Lungau fahren bzw. kreisen und Mariapfarr zuwinken, die idyllischen Orte Göriach oder Weißpriach von oben ausmachen, die St. Leonhardskirche in Tamsweg grüßen, den Flußverlauf der Mur nach Ramingstein verfolgen oder gar bei günstigen Bedingungen bis an die Adriaküste „fahren“, wie es fachlich korrekt heißt.

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Ich! Ich nutze nämlich die Chance, mal abzuheben. Bei herrlichstem Winterwetter ist es dann soweit. Auf der für dieses Treffen kurzerhand zum Ballonplatz umfunktionierten Flughafenwiese befinden sich jede Menge Ballone in allen Stadien der Vorbereitung. Ausgerollte Hüllen, angeworfene Ventilatoren, die die Hülle zunächst mit kalter Luft füllen, abhebende Ballons. Mein Ballonteam begrüßt mich freundlich und schickt mich zum Seilehalten an der Hülle, die sich langsam aufrichtet. In freudiger Erwartung steige ich in den Korb. An Bord sind wir mit dem Piloten vier Mann, Gasflaschen, einige Hilfsmittel und Instrumente, die das Ballonfahrer-Leben erleichtern. Denn GPS, Landkarte und Variometer dürfen nicht fehlen. Die sind für den Piloten wie für das verfolgende Einsammlerteam gleichermaßen wichtig. Ein Fernglas erfüllt nicht nur den Wunsch nach einer genussvolleren Aussicht, sondern auch den profanen Zweck, auszumachen, ob der vorgesehene Landeplatz wirklich eine Wiese ist.

Höhe und Besinnlichkeit

Ganz sanft heben wir ab. Schon schweben wir mit anderen Ballonen im Luftmeer. Es ist ein wunderbares Gefühl durch das herrliche Lungauer Alpenpanorama zu gleiten. Beinah lautlos, denn die Stille wird nur von dem Fauchen des Brenners unterbrochen, wenn die Höhe korrigiert werden muss. Dann donnert die hohe, helle, heiße Flamme ihre Hitze in die Hülle.

Nichts als heiße Luft

Lenken kann man einen Ballon nicht. Der Pilot ist abhängig vom Wind. Dieser weht nicht immer aus der gleichen Richtung, sondern variiert mit der Höhe. Durch geschicktes Ändern der Fahrhöhe kann man die Richtung beeinflussen. Möchte der Pilot höher hinauf, erhöht er die Temperatur im Hülleninneren. Zum Sinken lässt er die Temperatur absinken. Der Ballon erhebt sich, wenn die Temperatur in der Hülle etwa 85 Grad über Außentemperatur liegt. Deshalb bietet der Lungau in der kühlsten Jahreszeit allerbeste Bedingungen zum Ballonfahren. Zum einen sind nur im Winter aufgrund der dann nur schwachen Thermik Starts während des ganzen Tages möglich. Zum andern reicht bei Minustemperaturen von 20 Grad, bereits eine Temperatur von 65 Grad im Ballon, um ihn steigen zu lassen.

Luftfahrt

Die klare Luft gibt den Blick auf Skifahrer frei, die über die Pisten wedeln und auf schneebedeckte Häuser, deren Besitzer uns fröhlich zu winken. „Aufgepasst! Jetzt nehmen wir gleich Bodenkontakt auf“, warnt Werner. Es ist Zeit für die Landung. Das Bodenteam ist bereits mit dem Auto unterwegs, um uns einzusammeln. Dank GPS und Mobiltelefon ist das Zusammentreffen von Flugcrew und Bodenteam heutzutage einfacher als früher. Wir setzen sanft im Schnee auf. Der Korb aus elastischer Weide dämpft die Hopser beim Landen. Unser Pilot, der übrigens vor seiner Pensionierung die großen Transporthubschrauber CH-53G geflogen hat, wünscht uns allen ein fröhliches „Glück auf“.

Taufe

Wir warten auf unsere Verfolger. Die haben es relativ leicht, denn wir haben gut zugänglich neben einem Feldweg in St. Andrä aufgesetzt. Unser Copilot Reinert scherzt: „Verladen frei Straße!“ Langsam legt sich die 30 Meter hohe Hülle in den Schnee. Es dauert eine halbe Stunde, dann hat die erfahrene Crew die Hülle im Packsack und im Korb verstaut. Den hieven wir gemeinsam in den Autoanhänger. Bei den Worten: „Ab nach Mauterndorf“, will ich mich auch zu den anderen ins Auto setzen. Doch die Crew hindert mich lachend daran. Etwas verdutzt schaue ich drein, als mir Werner zur Ballonfahrt-Geschichte kurz erklärt: ich bin nicht adelig. ich bin zum ersten Mal Ballon gefahren. Ich muss getauft werden. Gesagt, getan. Ein paar Haare werden angesengt und anschließend mit Sekt gelöscht, von außen und innen.

Night Glow

Kaum ist es dunkel, überraschen die Ballonfahrer den Lungau mit etwas ganz Besonderem: im Takt von schwungvoller Musik lassen sie ihre Ballons erglühen. Abwechselnd zünden sie ihre Brenner und die unterschiedlichsten Formen und Farben der Ballons leuchten in die Nacht. Eine unglaubliche Stimmung erfasst Zuschauer sowie  Ballon-Teams und besonders mich. Diesen Tag werde ich sicher so schnell nicht vergessen. Dafür sorgt schon mein neuer Taufname: Graf Travel vom Lungau. Herzlichen Dank an alle Ballonfahrer!